Wieder mal in einer fremden Stadt in einem Land,
wo ich nicht zu Hause bin und niemandem bekannt,
wo niemand nach mir fragt und niemand froh ist, mich zu seh´n,
wo ich in fremder Sprache rede, soll´n die Leute mich versteh´n.

In dem Hotel, dem Standardluxus, halt ich´s nicht mehr aus,
knöpfe meine Jacke zu, der Abend kommt, ich muss hinaus.
Gehe durch die Straßen ohne eigentliches Ziel,
weiß nicht, was ich suchen soll, und folge einfach dem Gefühl.

Das mich zum Zentrum zieht, das irgendwo in dieser Stadt
auf Menschen, die mich schieben, stoßen, jene Wirkung hat,
die ich wohl kenne, und ich folge ihnen von allein,
will wie sie sein, etwas finden, um nicht mehr so fremd zu sein.

Doch es ist wie immer, wie oft habe ich´s erlebt,
nichts zu sehen, nichts zu finden, wonach etwas in mir strebt.
Nur Warenhäuser, Kinos und das Kneipenlicht
laden ein um zu vergessen, doch das will ich heute nicht.

Geh´ zurück in mein Hotel, wo ich die Ruhe find,
schließe meine Augen und ich horche auf den Wind,
der irgendjemand ruft, der hinter meinen Rippen lebt,
spüre, wie er atmet, horcht und wie sein Herz erbebt.

Ich fahre hoch, war eingeschlafen, starre tränenblind
auf dieses Traumbild , seh´ ganz deutlich noch vor mir das Kind
´s ist Faschingszeit, ein Junge, zirka dreizehn Jahre alt
hat sich zu seinem Cowboyhut ´nen schwarzen Schnurrbart angemalt.

Er sitzt in einem Festzelt, ziemlich hinten und allein,
er ist wohl fremd hier, denn da vorne sitzen sie beim Wein
im Karnevalskostüm, die Alten, und die Jungen auch,
ein Clown macht Witze, lacht und hält sich seinen dicken Bauch.

Der Junge lauscht und lächelt, öffnet etwas seinen Mund;
warum geht er nicht auch nach vorn? Jetzt ahne ich den Grund:
Vor ein paar Tagen zugezogen, traut er sich noch nicht
mit fremden Kindern mitzulachen, spricht auch ihre Sprache nicht.

Er lauscht und trinkt von seiner Cola, spürt, wie er vergisst,
dass etwas in ihm schon seit Tagen abgerissen ist,
dass niemals mehr die Wurzeln wachsen, nur die Narbe bleibt,
ein Schmerz, der ihn in aller Zukunft suchend vorwärts treibt.