Es ist schon lange her, doch ich erinnre mich genau,
saß in der Straßenbahn dicht neben einer dicken Frau,
die gerad´ mit meiner Oma sprach, die Hand auf meinem Kopf,
mich tätschelte und nannt´ mich einen armen, kleinen Tropf.

Da geschah es, dass die Straßenbahn um eine Ecke bog,
ich aufsprang, deklamierend aller Blicke auf mich zog,
denn dort stand auf seinem Sockel jener Herr, mir wohlbekannt,
dessen Name meine Oma als „Herr Goethe“ mir genannt.

(Ich sagte: “Goethe, Goethe hat im Arsch ´ne Flöte“Lächelnd)

Dieser Vers, mir steigt des Stolzes Röte heut noch ins Gesicht,
war mein erstes, wirklich selbstgemachtes Kinderherzgedicht,
war in seiner Wirkung ähnlich einer Bombenexplosion –
meine Oma wurde bleich und sah mich an – ganz ohne Ton.

Nur die dicke Frau, die schlug mich hart und mitten ins Gesicht,
dass ich laut zu weinen anfing, und so merkte ich auch nicht,
wie etwa dreißig Leute, strahlend, vor Begeisterung ganz stumm
die Straßenbahn verließen, niemand sah sich nach mir um.

Und so wurde mein Gedicht (es merkt sich wirklich nun ganz leicht)
ohne dass man mich befragt im Land herumgereicht;
denn die dreißig, die es hörten, die verbreiteten´s vehement
und so kannte es nach Tagen gar der Bundespräsident! (damals:Theodor Heuss)

Denn so wie niemand weiß, woher die guten Witze sind,
vermutete auch niemand hier den Autor in dem Kind
dessen Ohr noch lange pfiff von jenem fürchterlichen Hieb
nie mehr Gedichte machte und stets brav zu Hause blieb.

Und wer hat nicht alles schon von diesem Verslein profitiert –
hat´s doch manche Party, manche Feier zum Erfolg geführt,
wenn jemand tat, als hätte er es gerad spontan erdacht,
ja, da haben sogar alte Germanisten laut gelacht!

Und auch der Jüngling ohne Witz und ohn´ besonderen Verstand,
der den Weg zum Herzen jener allerschönsten Dame fand,
die, als sie gerade gehen wollt´, von meinem Vers gebannt
in seine Arme fiel, nie mehr den Weg nach Hause fand.

Doch diese Frau und das Verdienstkreuz, die verschmerze ich noch leicht,
hätte mich nicht kürzlich diese bitt´re Nachricht hier erreicht:
Dass ein sogenannter Dichter aus der fernen DDR
mein Kunstwerk plagiierte, ja das trifft mich ziemlich schwer.

Denn mein Gedicht, das nur von Goethe handelte hat er
auf Schiller umgemünzt – und das ist wirklich nicht sehr schwer
bekam den Staatshumorpreis (hoffe, dass es dran verreckt!)
lebt in ´ner Datscha auf der Krim mit Weibern und mit Sekt!

Und so hab ich mich entschlossen, gegen meine sonstige Art
aus der Anonymität hervorzutreten und ganz zart
darauf hinzuweisen, dass fast jeder, der zugegen ist
in Wirklichkeit seit vielen Jahren schon mein Schuldner ist!

Bitte zahlt sofort und ohne Zaudern eine müde Mark
für so viel´ Jahre Glück und Freude ist das nicht zu arg
und auch die Minderheit, die mein Gedicht bis heute nicht gewahr
geworden ist, zahlt bitte auch; für morgen und in bar!
Auch freu´ ich mich, dass ich euch hiermit etwas Gutes tu,
vielleicht find´t mancher von euch jetzt am Abend seine Ruh´,
wo sonst er sinnend an die Decke sah, den Schlaf nicht fand
nun endlich die Erlösung hat: Jetzt bin ich euch bekannt!

(Geschrieben 1986, danach wurde immer erfolgreich Geld gesammelt!)